01.10.2010: Rot-Weiss Essen - SpVgg Erkenschwick - 4 : 1 (1 : 1)

Georg-Melches-Stadion, Hafenstraße 97a, 45356 Essen

Tore: 1:0 Thamm (21.), 1:1 Oerterer (27.), 2:1 Enzmann (56.), 3:1 Lemke (62.), 4:1 Lenz (77.)

Zuschauer: 6.233

Food: Die altbekannte Bratwurst - immer wieder klasse…

       

Rot-Weiss Essen gegen die Spielvereinigung Erkenschwick - zum ersten Mal seit 12 Jahren kam es an diesem Abend wieder zum Aufeinandertreffen dieser beiden Traditionsvereine aus dem Ruhrgebiet. Und diesmal unter ganz anderen Voraussetzungen: Im Gegensatz zum letzten Spieltag der Saison 97/98 - als RWE trotz eines 4:2-Sieges über die "Schwicker" den bitteren Weg in die Oberliga antreten musste - geht es heute für die Gastgeber um den fünften Heimsieg in Folge und die Verteidigung der Tabellenführung in der NRW-Liga. Für die Spielvereinigung - als Aufsteiger mit gerade einmal 7 Punkten aus den ersten 8 Spielen - dagegen geht es eher darum, den Anschluss an das Mittelfeld nicht schon frühzeitig zu verlieren.

So begannen beide Mannschaften vor einer erneut zweitligatauglichen Kulisse auch sehr offensiv und es entwickelte sich eine durchaus ansehnliche Partie. Und obwohl RWE erneut früh durch Alexander Thamm in Führung ging, brachte dies keine Ruhe in das Spiel des Tabellenführers. Die Gäste tauchten bis zur Pause - begünstigt durch viele Unkonzentriertheiten in der Hintermannschaft der Gastgeber - mehrmals gefährlich vor dem Tor von Dennis Lamczyk auf und kamen durch Stefan Oerterer durchaus verdient zum Ausgleich. Erst nach dem Wechsel wurde der Druck von RWE immer größer und zwangsläufig fielen dann auch die Tore durch Leon Enzmann (56.), Holger Lemke (62.) und Lukas Lenz (77.) zu einem letztlich verdienten Sieg, der die Euphorie an der Hafenstraße weiter anheizen dürfte. Insbesondere, wenn man den Gerüchten über den bevorstehen erfolgreichen Abschluss der Insolvenz und einen nicht mehr so unwahrscheinlichen Start des Stadion-Neubaus Glauben schenken darf.

Der Sportplatz an der Hafenstraße - das heutige Georg-Melches-Stadion - ist seit 1939 die Heimat von Rot-Weiss-Essen. Im Krieg fast vollständig zerstört, wurde das Stadion durch freiwillige Helfer mittels Schüppe und Hacke wieder hergestellt. 1956 erhielt es die erste Flutlichtanlage Deutschlands und die heute noch existierende Haupttribüne. Diese galt damals als eine der ersten modernen Tribünen in Europa und besaß in den 50er Jahren Vorbildcharakter für viele andere Stadien (nahezu komplett überdacht, mit Sauna und Fitnessbereich, Schwimmbad, medizinischer Abteilung etc.). 1964 wurde es dann nach Georg Melches, dem Mitgründer von Rot-Weiss Essen, benannt. Bis zur Saison 2008/09 fasste es 21.500 Zuschauer (4.000 überdachte Sitz- und 17.500 überdachte Stehplätze), die sich auf nur drei Tribünen verteilten, da die alte Westkurve – eigentlich die Heimat der Rot-Weiss-Fans - aufgrund von Baufälligkeit bereits in den 90ern abgerissen wurde. Am Samstag, den 8. August 2009 - kurz vor der anstehenden Kommunalwahl (ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang vermutet) - gab Essens damaliger Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger dann nach jahrelangem hin und her endlich den symbolischen „Anstoß zum Neubau“ eines neuen Fußball-Stadions. Gleichzeitig starteten die Arbeiten des ersten Bauabschnitts mit dem Abbruch von Teilen der Nordtribüne, eines Flutlichtmastes und dem Rückbau der Trainingsplätze. Danach war in einem zweiten Bauabschnitt der Neubau von Haupt-, Gegen-, Gasttribüne, Funktionsgebäude und Spielfeld des neuen Stadions neben dem bestehenden Stadion geplant. Doch dazu kam es allerdings wieder einmal nicht und so ruhten die Bauaktivitäten aufgrund einer von der Bezirksregierung über die Stadt Essen verhängten Haushaltssperre. Der Spielbetrieb in der Regionalliga musste mit den verbliebenen 2,5 Tribünen auf der bestehenden maroden Anlage weitergeführt werden, die Volksseele kochte und nicht wenige vermuteten, dass sich dieser Zustand auch auf absehbare Zeit nicht mehr ändern würde. Besonders nach der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg in die NRW-Liga am Ende der Saison 2009/10. Nun zeigt sich aber wieder Licht am Ende des Tunnels: Dank eines 110-Millionen-Euro-Sparpakets hat die Stadt von der Bezirksregierung Ende August wieder grünes Licht zur eigenständigen Aufnahme von Krediten bekommen. Eine Grundvoraussetzung um das Projekt fortzuführen. Ob es dann allerdings ein Neu- oder doch eher ein Umbau sein wird, ist abzuwarten...

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