28.01.2012: Rot-Weiss Essen - 1. FC Köln II - 3 : 4 (0 : 1)

Georg-Melches-Stadion, Hafenstraße 97a, 45356 Essen

Tore: 0:1 Robin Hömig (45.), 1:1 Lukas Lenz (49.), 2:1 Timo Brauer (58., FE), 3:1 Lukas Lenz (61.),
3:2 Dino Bisanovic (65., FE), 3:3 Lucas Musculus (83.), 3:4 Stefan Thelen (87.)

Zuschauer: 6.159

Food: Mein klarer Favorit – Currywurst, Pommes, Mayo – das Ganze noch nachgewürzt – klasse...

     

15:30 Uhr – endlich mal wieder ein Spiel zur besten und einzig wahren Anstoßzeit im Georg-Melches-Stadion. Allerdings erlebten die knapp sechstausend Zuschauer erneut ein äußerst kurioses Spiel mit einem Wechselbad der Gefühle und schon wieder ohne Happy End (den Drehbuchautoren sollte man langsam verklagen…). Aber mal ganz von vorn: Kurz vor dem Abpfiff einer ersten Hälfte, in der sich die beiden Teams nahezu neutralisierten, waren die Hausherren wohl mental schon beim Pausentee und ermöglichten den wahrscheinlich selbst überraschten Gästen den glücklichen Führungstreffer. Die Hausherren drehten die Situation allerdings binnen einer Viertelstunde durch zwei Tore von Lukas Lenz und einen verwandelten Elfmeter von Timo Brauer zu einer 3:1-Führung und brachten die Baustelle zum Toben. Nach dem dritten Treffer für RWE bekamen die Gäste dann jedoch in der 65. Minute auch einen Strafstoß zugesprochen und konnten durch Dino Bisanovic auf 2:3 verkürzen. Und nur 13 Minuten später zeigte der Schiri für die Kölner erneut auf den Punkt. Den dritten Elfer in diesem Spiel konnte Denis Lamczyk aber mit einer Glanztat parieren und eigentlich hätte die Moral der Kölner damit am Ende sein sollen. Aber denkste! - Musculus (83.) und der erst vier Minuten zuvor eingewechselte Stefan Thelen (90.) setzten einer kuriosen Partie mit ihren beiden Treffern die Krone auf und sorgten für eine absolut überflüssige Heimniederlage.

       

Der Sportplatz an der Hafenstraße - das heutige Georg-Melches-Stadion - ist seit 1939 die Heimat von Rot-Weiss Essen. Im Krieg fast vollständig zerstört, wurde das Stadion durch freiwillige Helfer mittels Schüppe und Hacke wieder hergestellt. 1956 erhielt es die erste Flutlichtanlage Deutschlands und die heute noch existierende Haupttribüne. Diese galt damals als eine der ersten modernen Tribünen in Europa und besaß in den 50er Jahren Vorbildcharakter für viele andere Stadien (nahezu komplett überdacht, mit Sauna und Fitnessbereich, Schwimmbad, medizinischer Abteilung etc.). 1964 wurde es dann nach Georg Melches, dem Mitgründer von Rot-Weiss Essen, benannt. Bis zur Saison 2008/09 fasste es 21.500 Zuschauer (4.000 überdachte Sitz- und 17.500 überdachte Stehplätze), die sich auf nur drei Tribünen verteilten, da die alte Westkurve – eigentlich die Heimat der Rot-Weiss-Fans - aufgrund von Baufälligkeit bereits in den 90ern abgerissen wurde. Am Samstag, den 8. August 2009 - kurz vor der anstehenden Kommunalwahl (ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang vermutet) - gab Essens damaliger Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger dann nach jahrelangem hin und her endlich den symbolischen „Anstoß zum Neubau“ eines neuen Fußball-Stadions. Gleichzeitig starteten die Arbeiten des ersten Bauabschnitts mit dem Abbruch von Teilen der Nordtribüne, eines Flutlichtmastes und dem Rückbau der Trainingsplätze. Danach war in einem zweiten Bauabschnitt der Neubau von Haupt-, Gegen-, Gasttribüne, Funktionsgebäude und Spielfeld des neuen Stadions neben dem bestehenden Stadion geplant. Doch viel mehr passierte nicht, denn die Bauaktivitäten wurden aufgrund einer von der Bezirksregierung über die Stadt Essen verhängten Haushaltssperre eingestellt. Der Spielbetrieb in der Regionalliga musste mit den verbliebenen 2,5 Tribünen auf der bestehenden maroden Anlage weitergeführt werden, die Volksseele kochte und nicht wenige vermuteten, dass sich dieser Zustand auch auf absehbare Zeit nicht mehr ändern würde. Besonders nach der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg in die NRW-Liga am Ende der Saison 2009/10. Aber dank eines umfangreichen Sparpakets bekam die Stadt von der Bezirksregierung Ende August 2010 wieder grünes Licht zur eigenständigen Aufnahme von Krediten und am 26. Oktober erteilte der Rat mit großer Mehrheit den endgültigen Segen zum Bau der neuen RWE-Heimat. In rund 30 Monaten Bauzeit entsteht nun endlich ein neues Stadion mit 11.300 Sitz- sowie 9.000 Stehplätzen, 1.000 Business-Seats und 290 Logenplätzen, das bei Bedarf in zwei weiteren Bauabschnitten (Schließen der Ecken & Aufsetzen eines zweiten Ranges) auf 35.000 Zuschauer erweitert werden könnte. Die offizielle Übernahme durch den Generalunternehmer Köster (auch verantwortlich für den Bau der BayArena in Leverkusen) erfolgte am 13. April 2011 und der Umzug von der „Ruine“ in das neue Schmuckkästchen ist für den Beginn der Saison 2012/13 geplant. Mit den Arbeiten an der Entwässerung ging es bereits zum Ende des letzten Jahres los, danach folgte der Bau der neuen Zufahrt, der Rohbau des Funktionsgebäudes und die Errichtung von drei der vier Tribünen (die vierte Tribüne, zukünftig die Heimat der RWE-Fans, entsteht dann nach dem Umzug bzw. dem Rückbau des alten Georg-Melches-Stadions). Aktuell (heute sogar bis kurz vor Spielbeginn live zu erleben) erfolgt die Montage der ersten Dachelemente im Bereich der zukünftigen Haupttribüne. Die neue Heimtribüne wird übrigens allen geographischen Realitäten zum Trotz „Westtribüne“ heißen, die Haupttribüne soll RWE-Topstürmer „Ente“ Lippens gewidmet werden, die Gegengerade dem legendären Helmut Rahn und die Tribüne, auf der auch die Gäste untergebracht werden, dem Kapitän der Meistermannschaft - August Gottschalk.

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