28.03.2012: Sportverein Darmstadt 1898 – FC Rot-Weiß Erfurt - 1 : 1 (1 : 1)

Stadion am Böllenfalltor, Nieder-Ramstädter-Str. 170, 64285 Darmstadt

Tore: 0:1 Marcel Reichwein (33.), 1:1 Oliver Heil (37.)

Zuschauer: 6.300

Food: Saugute und würzige Rindswurst mit dick Senf als Belohnung für das Anstehen an einer
der richtig schön useligen Holzbuden...

     

Eine Reise zurück in die Anfänge der 80er Jahre (also eine Zeit, als man Business Seats und Catering noch nicht einmal buchstabieren konnte, Kuttenträger keine schützenswerte Subkultur darstellten und das Wort Blocktrennung noch was politisches hatte) stand an diesem Abend mit dem Besuch des Stadions am Böllenfalltor auf dem Programm. Erinnerungen an die damalige zweite Liga mit Mannschaften wie eben Darmstadt 98, Fortuna Köln oder Wattenscheid 09 und dem Sonntagnachmittag mit dem Vater auf den Plätzen – das sind Gedanken, die man hat, sobald man diese leider immer seltener anzutreffende Art von Stadion betritt. Dazu mehr als sechstausend Zuschauer, die diese Partie der dritten Liga zwischen dem SV Darmstadt 98 und Rot-Weiß Erfurt sehen wollten. Und die bekamen auch ein durchaus ansehnliches Spiel mit Chancen hüben wie drüben geboten. Am Ende stand dann ein durchaus gerechtes Unentschieden nach Toren von Reichwein für die Gäste und Heil für die Lilien (beide aus der ersten Hälfte), das den Lilien im Kampf um den Klassenverbleib wohl mehr nützt, als den Gästen aus Thüringen im Kampf um den Relegationsplatz. Insgesamt ein gelungener Abend mit viel Potential für eine Wiederholung...

       

Das städtische Stadion am Böllenfalltor wurde zwischen 1919 und 1921 erbaut und verfügte zu Beginn über ein Fassungsvermögen von knapp 8.000 Plätzen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg und der Rückgabe durch die Amerikaner, die das Stadion bis 1950 für Baseballspiele missbrauchten (die Lilien spielten zu dieser Zeit in der Oberliga Süd), erfuhr das Stadion umfangreiche Modernisierungsarbeiten und die Kapazität wurde auf rund 25.000 Plätze gesteigert. Die nächste große Maßnahme ließ dann rund 25 Jahre auf sich warten, ehe im Jahre 1975 die alte Holztribüne durch die noch heute existierende Haupttribüne mit ihren 4.000 Sitzplätzen ersetzt wurde. Und nach dem ersten Aufstieg der 98er in die Bundesliga 1978 wurde auf Veranlassung des DFB die Kapazität auf 30.000 Zuschauer erweitert. Hierzu wurde im Juli 1978 die Gegengerade um 36 Stufen erhöht und es entstand die heute noch imposant anzusehende Heimat der Darmstädter Fans (wenn ich richtig gezählt habe sind es jetzt 61 Stufen…). Als letzte große Maßnahme erfolgte nach dem erneuten Aufstieg 1981 der Bau einer modernen Flutlichtanlage. Seitdem hat sich die Heimat der Lilien – mal abgesehen von der Installation einer Videowand im Jahre 2001 – kaum noch verändert – die Einen betrachten dies als wenig konkurrenzfähig, die Anderen als kultig. Aktuell hat das Stadion nun noch ein Fassungsvermögen von 19.000 Zuschauern, darunter 4.000 überdachte Sitzplätze auf der Haupttribüne und 15.000 Old School Stehplätze. Benannt wurde es übrigens nach den so genannten „Böllen“, einer Pappelart, die auch heute noch am Nordrand des Stadions zu finden ist. Zudem befand sich in unmittelbarer Umgebung des heutigen Stadions in früheren Zeiten ein Stadttor, das den Weg in Richtung Traisa bei Bedarf verriegelte, daher der Zusatz „Falltor“.

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