03.08.2012: Rot-Weiß Oberhauen - Rot-Weiss Essen - 2 : 4 (0 : 1)

Stadion Niederrhein, Lindnerstraße 2-6, 46149 Oberhausen

Tore: 0:1 Grund (35.), 1:1 Schneider (55.), 2:1 Nowak (66.), 2:2 Koep (68.),
2:3 Koep (87.), 2:4 Ellmann (90.)

Zuschauer: 13.145

Food: Mittelmäßige Bratwurst in trockenem Brötchen

   

Genau fünf Jahre ist es nun her, dass der Zweitliga Absteiger und Top-Favorit Rot-Weiss Essen am ersten Spieltag in der Regionalliga Nord den damaligen Aufsteiger Rot-Weiss Oberhausen empfing und überraschend deutlich den Gästen mit 1:4 unterlag. Am Ende dieser Saison des Schreckens verpasste RWE dann sogar die Qualifikation zur neuen dritten Liga und verschwand vorerst in den Niederungen des deutschen Fußballs. RWO hingegen gelang der direkte Durchmarsch in die zweite Bundesliga. Heute nun empfing RWO nach dem zweiten Abstieg hintereinander ein völlig neues Team aus Essen – auferstanden aus Ruinen, nun schuldenfrei, mit einer jungen Mannschaft und viel Euphorie auf dem Weg zurück in die Erfolgsspur. Somit ganz andere Vorzeichen für die kleine Schwester der Mutter aller Derbys...

Vor vollen Rängen und bei herrlichem Wetter begann die Partie allerdings erst mal mit einer zehnminütigen Verspätung. Und das nicht wegen der dullen Eröffnungszeremonie der eigens angereisten Verbandsheinis, sondern wohl eher aufgrund der chaotischen Zugangsregelung zu den proppevollen Kurven. Als das Spiel dann endlich lief, gehörten die erste Minuten nur den Hausherren, die mehrfach kurz vor dem Führungstreffer standen, aber zur Halbzeit dank eines einzigen genialen Spielzugs der Essener mit 0:1 zurücklagen. Nach der Pause das gleiche Bild, nur dass RWO diesmal konsequenter zu Werke ging und die Partie innerhalb einer Viertelstunde durch Schneider und Novak drehen konnte. Die Freude für die Hausherren sollte aber nur von kurzer Dauer sein, da RWE praktisch mit dem nächsten Angriff durch Koep wieder ausgleichen konnte und die Kanalkurve mit den gut sechstausend Essenern explodierte. Und Koep war es auch, der in einer umkämpften Schlussphase den vorentscheidenden Treffer zum 3:2 für RWE schoss. In der Schlussminute erhöht der Ex-Oberhausener Ellmann dann sogar noch auf 4:2 und sorgt dafür, dass sich RWO schon nach dem ersten Spieltag wieder in den schon bekannten Niederungen der Tabelle wieder findet.

       

Das Stadion Niederrhein wurde in den 20er Jahren im Zuge von Notstandsarbeiten erbaut und am 24. Mai 1926 eröffnet. Nach dem Krieg sollte die Arena ihren Erbauern und Erhaltern dann allerdings einige Kopfschmerzen bereiten: Die Bodensenkungen der angrenzenden Concordia-Kohlefelder waren falsch eingeschätzt worden und das Stadion geriet aus dem Gleichgewicht. 1949 drohte die Haupttribüne gar einzustürzen, so dass acht schwere Betonpfeiler errichtet werden mussten. Ein Jahr später wurde in der wackeligen Arena beim Spiel Kickers Offenbach gegen Preußen Dellbrück der bis heute gültige Zuschauerrekord von 44.631 Zuschauern aufgestellt. In den folgenden Jahren begann der Boden immer weiter einzusinken, das Grundwasser drückte mehr und mehr gegen die zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal gelegene Anlage und der Höhenunterschied zwischen den beiden Toren stieg auf fast einen halben Meter an. Mitte 1968 rückten dann schließlich Pioniere an und glichen die Höhendifferenz aus. In den 90er Jahren wurden dann auch die Ränge modernisiert: Es entstand eine neue Haupttribüne, die Gegengerade mit dem denkmalgeschützten Uhrenturm wurde überdacht und mit Sitzen ausgestattet, beide Kurven neu betoniert und die Anzeigetafel des alten Ulrich Haberland Stadions in Leverkusen installiert (inzwischen übrigens manuell bedient). Heute präsentiert sich das Stadion Niederrhein in einem recht guten Zustand, das Flutlicht hat seit Jahren mal wieder keine kaputten Strahler und 2008 erhielt die Anlage endlich auch eine Rasenheizung. Und zum 105. Geburtstag von RWO schien auch die Umwandlung in eine reine Fußball-Arena näher zu rücken. Für rund 15 Millionen Euro sollte aus dem Niederrheinstadion ein reines, 17.300 Zuschauer fassendes Fußballstadion entstehen, wobei der Verein selbst die kompletten Kosten übernehmen wollte. Die 7.800 Steh- und 9.500 Sitzplätze sollten allesamt überdacht sein, außerdem waren acht bis zehn Logen geplant. Zusätzlich sollte hinter der Haupttribüne ein dreistöckiges, 80 Meter breites Gebäude entstehen, in dem nach der Fertigstellung der VIP-Bereich, die Spielerkabinen, der Fanshop sowie die Geschäftsstelle des Vereins untergebracht werden sollten. All dies ist jedoch mit dem Sturz von der zweiten bis in die vierte Liga in weite Ferne gerückt...

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